20. Januar 2011

Ich brauche...

Ich brauche Zoff und Streit...

... weil ich es nicht anders kenne?
... weil es für mich Sinn macht?
... weil meine Gefühle mit mir machen können, was sie wollen?
... weil ich endlich die Macht haben will über das was passiert?
... weil ich früher immer "Opfer" von Schikanen, Gewalt und schlechten Gefühlen war?

Irgendwie muss das alles einen anderen Drive bekommen. Es kann ja nicht so weitergehen.

"Bleib bei dir!" bekomme ich gesagt.

Niemand ist dafür verantwortlich, dass es mir gutgeht ausser ich selbst. Mein Freund ist mein Freund. Er ist nicht mein bester Freund, mein Seelenklempner, mein Boxsack und schon garnicht mein Vater, meine Mutter, mein Bruder, meine Stiefschwester oder meine Stiefmutter. Die Wut, die in mir aufsteigt, wenn ich sehe, dass er zB. den Müll schon wieder nicht runtergebracht hat... den Klodeckel nicht runterklappt, die Barthaare nach dem Rasieren nicht wegwischt... Welche Wut ist das? Auf was bin ich wütend? Liegt es wirklich an den Barthaaren?

Ich soll einen Moment innehalten und fühlen was sich wirklich dahinter verbirgt. Es ist eigentlich die Enttäuschung darüber, dass ich mich nicht wichtig genug fühle und ich mich nicht respektiert fühle. Es fühlt sich dann so an als wäre der "Mist" für mich übergelassen worden, weil ich als Putzfrau des Hauses ihn ja eh dann wegräume. Als wäre ich nicht wichtig genug, als dass er es einfach für mich und unseren Hausfrieden tut. Logisch gedacht ist er ja auch nicht dumm. Wenn er täglich Lust auf Streit wegen Müll hätte, könnte man ja annehmen es sei extra um mich zu ärgern. Er hat aber keine Lust auf diese Auseinandersetzungen. Er ist einfach anders gestrickt als ich und würde evtl. den Müll erst rausbringen wenn er sich zur Decke stapelt oder es richtig stinkt. Das muss ich halt so hinnehmen, denn ich kann ihn nicht ändern. Das ist nicht meine Aufgabe.

Viel wichtiger sollte sein, dass ich bei mir bleibe und nicht in Vermutungen abdrifte. Ich sollte in mich hineinhorchen und fühlen, was da los ist. Es ist wirklich das Gefühl von früher. Meine Stiefschwester war immer besser dran als ich. Sie hatte mehr Optionen, wurde seltener bestraft, ihr wurde mehr erlaubt. Kurzum, sie wurde als wichtiger befunden und sie war eine Stufe über mir. Warum sollte also der, den ich am meisten liebe, diese Position einnehmen? Er hat nichts mit meiner Kindheit zu tun.

"Denke größer als du fühlst." Das hat mir Eileen heute gesagt. Wenn ich mein logisches Denken einschalte bevor ich ausflippe, werde ich merken, dass ich übertreiben würde wenn ich jetzt loslegen würde. Ich wünsche mir nichts sehnlicher als eine harmonische Beziehung. Eine Beziehung, in der ich sicher bin, in der ich nicht verlassen werde weil ich Fehler mache. Es scheint so, als wäre ich ständig auf der Suche nach dem Beweis, dass ich sicher bin und dass die Liebe sicher ist. Ich brauche stetige Aufmerksamkeit, Komplimente, weil ich mich selber nicht liebe.

In diesen Momenten spüre ich mich nicht, ich spüre nichts oder nicht das, was ich mir wünsche. Ich kann nicht genau sagen, ob es eine Grenze ist, die ich spüren muss. Wieviel hält unsere Liebe aus? Wie sehr liebt T. mich? Wenn er mir nicht hinterher läuft in einem Streit, kann er mich ja nicht lieben... Das sind unfaire Gedanken, die ich abstellen muss. Meistens endet so ein (ich nenne es mal) Drama damit, dass ich etwas kaputt mache oder mich selber verletze in dem ich gegen Wände schlage oder mit meinem Kopf durch die Wand will. Muss ich immer erst einen extremen Zustand erreichen um mich fallen zu lassen oder zu beruhigen? Wenn ich nach so einer Aktion "runterfahre" und T. immernoch bei mir ist, dann bin ich wieder für einen kurzen (trügerischen) Moment sicher, dass ich sicher bin. Aber genaugenommen ist sicher, dass nichts sicher ist.

Ich ekel mich manchmal richtig vor mir, ich schäme mich für meine Sehnsucht nach Bestätigung - die ich brauche, weil ich sie nie wirklich bekommen habe. Es ist anmaßend, was ich von ihm verlange. Ich bedränge ihn und erpresse ihn für Liebe und Zuneigung. Aber das was mir von damals so sehr fehlt, kann ich heute nur selbst für mich tun - wenn überhaupt. Es ist gemein, soetwas von ihm zu erzwingen. Aber meistens bin ich so hilflos in dem Gefühl gefangen, dass ich glaube, dass nur er mir da helfen kann. Vermutlich weil er mich am besten kennt?

Paranoider Weise sehe ich oft garnicht, dass die Liebe, wenn ich so weitermache, wahrscheinlich bald goodbye sagt. Wer entscheidet sich schon freiwillig für eine manipulierende, zerstörerische, erzwingende Frau (oder sollte ich sagen "Kind") ?

Ich habe T. gebeten eine Liste zu erstellen mit Eigenschaften und Dingen, die er an mir mag, damit ich in schlechten Zeiten daraus Kraft schöpfen kann. Wenn ich aber in einer schlechten Phase darauf schauen würde - wer würde ihm garantieren, dass diese Liste optimal für mich ist? Ich bin nie zufrieden mit dem was ist, was gesagt wird oder gespürt wird. Zugroß sind meine Zweifel an allem und vorallem sicherlich an mir selbst. Ich würde doch immer noch etwas finden, was mir zu wenig ist oder was ich anders geschrieben hätte. Es würde also eigentlich nichts bringen. So eine Liste bringt nur etwas wenn ich sie selber schreibe und dort positive sowie negative Eigenschaften aufschreibe.



Als Nachtrag wollte ich noch etwas zur KBT vom letzten Dienstag schreiben. Ich bin auf die Idee gekommen, weshalb ich instinktiv eine Waffe ausgesucht habe. Eine Waffe macht mich sicherer und gibt mir das Gefühl geschützt zu sein, stark zu sein. Wenn es wirklich eine Waffe ist, die ich brauche um mit meinem inneren Kind in Kontakt zu treten bzw für es dazu sein... dann zeigt es mir nur noch einmal mehr, wieviel Schutz und Sicherheit mir damals fehlte. Und irgendwie auch, wieviel Angst ich hatte und auch immer noch habe.